Esteban Muñoz Herrera
Formsprache
Klang, Atem, Bewegung und Timing bilden in Estebans Inszenierungen eine gemeinsame Partitur. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Musik: Ihre Struktur prägt körperliches Handeln, Raum und szenischen Rhythmus. Grundlage dafür bildet eine genaue historische und dramaturgische Kontextualisierung. Zugleich sucht seine Arbeit die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum – häufig durch das bewusste Aufbrechen der vierten Wand und die direkte Nähe zwischen Bühne und Zuschauerraum.
Estebans Schwerpunkt liegt im Musiktheater, mit besonderem Interesse am Barock und am 20. Jahrhundert sowie an Operette und Musical. Außerdem reizt ihn die Entwicklung spartenübergreifender Formate, in denen Musik, Schauspiel, Performance und visuelle Medien ineinandergreifen.
Thematisch interessieren ihn besonders Stoffe mit komplexen, starken Frauenfiguren. Zugleich fühlt er sich in der Komödie sehr zu Hause und hat eine große Affinität zum absurden Theater. Bei Klassikern reizen ihn neue Lesarten, die aus einer genauen Beschäftigung mit dem Werk entstehen, statt ihm ein Konzept überzustülpen.
Werdegang
Esteban Muñoz Herrera wurde in Valdivia (Chile) geboren und studierte Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Dramaturgie an der Theaterakademie August Everding. Von 2016 bis 2023 war er Spielleiter an der Komischen Oper Berlin, 2023/24 an der Bayerischen Staatsoper.
Als Regisseur entwickelte er bereits 2008 für die Universidad Austral de Chile das Oratorium 1850 von Luis Advis und 2011 DIVAS DEL CINE mit dem Kammerorchester Valdivia und der Sängerin Paz Court. An der Komischen Oper Berlin verantwortete er unter anderem die halbszenischen Aufführungen der Paul-Abraham-Operetten DSCHAINAH und DIE BLUME VON HAWAII, die deutsche Erstaufführung von Shakespeares EIN SOMMERNACHTSTRAUM mit der Schauspielmusik von Astor Piazzolla sowie 2025 das neue Musiktheaterprojekt CONSISTENT FANTASY IS REALITY. 2026 inszenierte er Mozarts LE NOZZE DI FIGARO an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf; im November folgt Strauss’ ELEKTRA am Teatro Municipal de Santiago de Chile.
Darüber hinaus arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen als Regisseur, Dramaturg und Spielleiter an zahlreichen internationalen Opernhäusern und Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in den Niederlanden, Spanien, Schweden, den USA und Chile. Seit 2011 verbindet ihn eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit Carlus Padrissa und La Fura dels Baus, bei deren Produktionen er als Regiemitarbeiter und Dramaturg tätig ist. Darüber hinaus arbeitete er unter anderem mit Regisseuren wie Barrie Kosky, Tobias Kratzer, Stefan Herheim und Jetske Mijnssen.
Gemeinsam mit der Sopranistin Josefine Göhmann entwickelt er derzeit mehrere eigene Musiktheaterprojekte. Im Zentrum steht ASPHALT PRINZESSINNEN, ein dreiteiliges Projekt um Penelope, Iphigenie und Kassandra. Weitere Projekte sind in Entwicklung.